Ich ziehe die Wabe aus der Beute, und sie ist schwer. Das Holz klebt an den Fingern, ein paar Bienen laufen ruhig über meine Hand, und vor mir liegt eine Fläche aus Wachs, weiß wie frischer Schnee. Kein Tropfen Honig zu sehen. Alles verschlossen.
Genau so soll es sein.
Wenn ich jemandem ein Stück Wabenhonig zeige, kommt fast immer dieselbe Frage: „Und das kann man essen? Mit Wachs?“ Ja. Kann man. Und es lohnt sich. Aber der Reihe nach.
Honig, wie die Bienen ihn lassen
Wabenhonig ist Honig in der Wabe. Nicht geschleudert. Nicht gesiebt. Nicht gerührt. Die Bienen bauen aus ihrem eigenen Wachs die Zellen, füllen sie mit Nektar, trocknen ihn Nacht für Nacht ein und verschließen jede einzelne Zelle mit einem dünnen Wachsdeckel.
Ich schneide ein Stück heraus. Das war es. Zwischen der Wabe und deinem Teller liegt nichts als ein Messer.
Alles, was ich sonst tue, fällt weg: das Entdeckeln, das Schleudern, das Sieben, das Abfüllen. Bei Wabenhonig gibt es keinen Umweg über meine Hexenküche. Nur die Bienen und ihr Werk.
Verdeckelt heißt reif
Das Wichtigste an der Wabe ist das, was du nicht siehst: Der Honig unter dem Deckel ist fertig.
Frischer Nektar ist dünn und wässrig. Die Bienen tragen ihn ein, geben ihn von Biene zu Biene weiter, verteilen ihn in den Zellen und fächeln mit ihren Flügeln warme Luft darüber. Tag für Tag verdunstet Wasser. Erst wenn der Honig dick genug ist, kommt der Wachsdeckel drauf.
Für uns Imker ist der Deckel das Zeichen: Jetzt ist er reif. Jetzt steckt so wenig Wasser darin, dass er lange hält. Die Bienen kennen keine Honigverordnung. Sie machen es trotzdem richtig.
Deshalb ernte ich nur verdeckelte Waben. Nicht die halb offenen. Nicht die, bei denen ich hoffe, dass es schon passt. Und ich ernte nur den Überfluss, das, was das Volk über den eigenen Vorrat hinaus eingetragen hat. Partner, keine Nutztiere.
Ja, das Wachs kannst du essen
Bienenwachs ist essbar. Du kaust die Wabe, der Honig läuft heraus, und das Wachs bleibt als kleiner, weicher Klumpen zurück, ein bisschen wie Kaugummi. Den kannst du schlucken oder ausspucken. Ich schlucke ihn meistens. Aus Faulheit, nicht aus Prinzip.
Das Wachs selbst schmeckt nach wenig. Ein Hauch Blüte, ein Hauch Bienenstock. Es trägt den Honig, mehr nicht. Aber genau das macht den Unterschied: Der Honig kommt in kleinen Portionen, Zelle für Zelle, und nicht als voller Löffel auf einmal.
Wie ich Wabenhonig esse
Am liebsten so: ein Stück Brot, noch warm, Butter drauf, und dann ein Streifen Wabe, quer durchgeschnitten, damit der Honig aus den Zellen läuft. Die Butter schmilzt, der Honig fließt, das Wachs knackt leise zwischen den Zähnen. Mehr braucht es nicht.
Dann: Käse. Ein alter Bergkäse, ein Ziegenkäse, ein Blauschimmel. Salzig gegen süß, cremig gegen knackig.
Seit Kurzem gibt es Lommigold Bar & Catering, und wenn es Wabe gibt, landet sie dort genau da, wo sie hingehört: auf dem Charcuterie-Board, zwischen Schinken, Käse, Nüssen und Feigen. Ein Stück Wabe in der Mitte, ein kleines Messer daneben. Jeder schneidet sich ab, was er mag.
Und manchmal, abends, esse ich einfach ein Stück pur. Ohne Brot. Ohne Käse. Nur die Wabe. Das ist kein Brotaufstrich. Das ist ein Moment.
Wie bei jedem Honig gilt: nichts für Kinder unter zwölf Monaten.
Warum Wabenhonig so selten ist
Ganz einfach: Er kostet die Bienen mehr als jeder andere Honig.
Wenn ich schleudere, bleibt die Wabe ganz. Ich gebe sie dem Volk zurück, die Bienen putzen sie aus und füllen sie neu. Beim Wabenhonig nehme ich die Wabe mit. Das Volk muss von vorn anfangen. Neues Wachs schwitzen, neue Zellen ziehen, alles neu bauen. Wachs ist für ein Bienenvolk teuer.
Dazu kommt: Für Wabenhonig kommt keine fertige Mittelwand und kein Draht ins Rähmchen, nur ein schmaler Streifen Wachs als Start. Den Rest bauen die Bienen selbst, frei und zart. Nur so ist die Wabe später weich genug zum Essen.
Und zuletzt: Wabenhonig gibt es nur in einem guten Sommer, wenn die Tracht stimmt und das Volk stark ist. Ich kann ihn nicht planen. Ich kann nur die Beute öffnen und schauen, was die Bienen entschieden haben. Manchmal viel. Manchmal nichts. Und dann… warte ich auf das nächste Jahr.
Mein Tipp
Schneide Wabenhonig mit einem warmen Messer. Kurz in heißes Wasser tauchen, abtrocknen, dann in einem Zug durch die Wabe. So klebt das Wachs nicht am Messer, der Schnitt bleibt sauber, und die Zellen reißen nicht auf.
Lagere die Wabe dunkel, trocken und in einer geschlossenen Dose, kühl, aber nicht im Kühlschrank. Dort wird das Wachs hart und spröde, und du bekommst kaum noch ein Stück heraus, ohne alles zu zerdrücken. Und erwärme sie nie: Beim Wabenhonig gibt es kein Wasserbad, das Wachs würde weich, die Zellen fallen zusammen.
Wird der Honig in der Wabe irgendwann fest, ist auch das kein Fehler. Er schmeckt wie vorher, nur zergeht er langsamer.
Ein Stück Wabe aus Jessen
Wabenhonig gibt es bei mir nur, wenn das Jahr es hergibt. Ob gerade ein Stück da ist, erfährst du am schnellsten, wenn du mir schreibst. Am liebsten per WhatsApp. Ich bin meistens am Werkeln, aber ich antworte. Und der Hofladen in Jessen 18 hat rund um die Uhr offen.
Und dann probier ihn. Auf Brot. Auf Käse. Oder einfach so. Schmeckst du den Unterschied?


